Hacktoberfest 2026, Tag 2: Shopware 6.8 und Agenten
Teil 2 von 3 zum Shopware Hacktoberfest 2026 auf dem Campus in Schöppingen. Teil 1 handelt vom Open Campus am Vorabend, Teil 3 von den Workshops am Freitag.
Drei Dinge, die vom Donnerstag zählen
Der Donnerstag war der Konferenztag, von 9 Uhr bis in den frühen Abend ein Vortrag nach dem anderen. Wer nur eine Sache mitnehmen will: Der Weg nach Shopware 6.8 ist so angelegt, dass die Arbeit auf 6.7 passiert, und sie lässt sich heute schon anfangen. Dahinter stehen zwei weitere Linien, die sich durch den ganzen Tag zogen. Der MCP-Server, über den KI-Clients mit dem Shop sprechen, soll mit 6.8 stabil werden. Und gleich drei Sessions fragten, wie Entwicklung aussieht, wenn Agenten den Code schreiben und Menschen ihn prüfen. In dieser Reihenfolge, nach Nutzen für die Projektarbeit sortiert, geht es hier durch den Tag.
Die Plattform-These: Code wird billig
Moritz Naczenski eröffnete mit den Produkt-Updates, und seine zentrale These erklärt alles, was Shopware gerade baut: Code wird billig, also muss die Plattform Stabilität und Struktur liefern, damit aus schnell erzeugtem Code keine Schulden werden. Wenn Agenten in Minuten erzeugen, was früher Tage gekostet hat, wandert der Engpass vom Erstellen zum Betreiben. Ob der Code in zwei Jahren noch wartbar ist, entscheidet dann nicht das Werkzeug, mit dem er entstand, sondern das Fundament, auf dem er läuft.
Die neuen Bausteine passen zu dieser These. Shopware Nexus setzt an einer Stelle an, die ich aus vielen Projekten kenne: Integrationen zu ERP, PIM, OMS und CRM hängen an einem Geflecht aus Custom Middleware, Skripten und Plugins, das mit jedem angebundenen System unübersichtlicher wird. Nexus ist eine Orchestrierungs-Schicht, die Ereignisse dieser Systeme verbindet und Abläufe in einer visuellen Oberfläche automatisiert. Für den Rest des Jahres sind KI-Unterstützung beim Bauen von Workflows, Open-Source-Connectoren und ein Connector-Marktplatz angekündigt. Der Shopware Language Server bringt Shopware-Konventionen in den Editor: Springen von einer Service- oder Route-Referenz zur Definition, Warnungen bei veralteten APIs und unsicherer Vererbung, Scaffolds für Plugins und Apps. Dieselben Informationen bekommt ein Coding-Agent, der im Projekt arbeitet. Es gibt ihn experimentell als VS-Code-Erweiterung und seit kurzem im Shopware-6-Toolbox-Plugin für PhpStorm. Dazu kommen PaaS als von Shopware betriebene Infrastruktur auf AWS, eine Content API, die Layouts als Daten beschreibt und vom Frontend entkoppelt, und die Shopware CLI als durchgehendes Werkzeug von der Installation über Validierung und Deployment bis zum Upgrade-Assistenten. Die Deployment-Befehle hatte Soner am Vorabend vorgeführt, jetzt wurde klar, wo sie im Gesamtbild stehen.
Für Händler gab es eine Reihe handfester Funktionen: Produkt-Bundles mit Bestandsprüfung und bald feste Bundles unter einer eigenen Artikelnummer, Multi-Hierarchien für B2B-Organisationen mit untergeordneten Einheiten und Mitarbeitern in mehreren Firmen, als Ausblick OCI-Punchout, ein Dokumentenportal und Vertriebsmitarbeiter, die in der Storefront im Namen des Kunden bestellen, Shopware Payments als plattformeigene Zahlungsabwicklung, und das GARAN-Label, das seit 6.7.15.0 in Produktdetails, Checkout und Bestellbestätigung steht. Ein Thema betrifft mich beruflich direkt: Generative Engine Optimization, also Produktdaten so aufbereiten, dass Einkaufs-Assistenten wie ChatGPT sie finden und verstehen. Shopware kündigte dafür Feeds für OpenAI und Google, einen eigenen Sales Channel für Bestellungen aus LLMs sowie Unterstützung für das Agentic Commerce Protocol und das Universal Commerce Protocol an, als Beta im Community Store. Die drei Stichworte dazu, Kontext, Struktur und Autorität, sind dieselben, mit denen ich seit einem Jahr bei Kunden über Sichtbarkeit in KI-Antworten spreche.
Shopware 6.8: die Arbeit passiert auf 6.7

Jonas Elfering stellte 6.8 mit einem Anspruch vor, der sich prüfen lässt: das sanfteste Major-Upgrade in der Geschichte von Shopware. Die Termine sind noch vorläufig. Bis Ende 2026 bereitet Shopware das Tooling vor, um den Jahreswechsel herum wird der Umfang eingefroren und angekündigt, im ersten Halbjahr 2027 bereiten Agenturen ihre Projekte vor, Release Candidate und Release sind für Mitte 2027 angepeilt. Danach soll 6.8 zwei Jahre lang die aktive Major-Version bleiben. Bis zum Scope Freeze nimmt Shopware Feedback auf und kann noch umsteuern, danach wird jede Änderung schwer. Wer eine schwierige Migration in seinem Projekt sieht, sollte sie jetzt melden, im Discord-Kanal #feedback-6_8.
Das Wichtigste für die Praxis: Fast alles lässt sich heute schon auf 6.7 testen. PHP 8.5 wird seit 6.7.6.0 unterstützt, Symfony 7.4 mit allen Deprecations seit 6.7.7.0, MySQL 8.4 und MariaDB 11.4 laufen jetzt schon, Twig 4 und Symfony UX 3 lassen sich über die Deprecation-Warnungen vorbereiten. Die vier größten funktionalen Änderungen stecken hinter Feature-Flags in der aktuellen Version, und jede hat einen nachvollziehbaren Grund. Der überarbeitete HTTP-Cache greift auch bei eingeloggten Kunden und gefülltem Warenkorb, nur cache-relevante Regeln variieren die Antwort, weil bisher zu viele Umgehungen und Varianten die Trefferquote drückten. Die Warenkorb-Berechnung verwendet bei prozentualen Rabatten, Zuschlägen und geteilten Mengen die Steuern der Positionen wieder, statt sie neu zu rechnen, weil das zweite Rechnen Rundungsdifferenzen erzeugt hat; Cent-Beträge können sich dadurch ändern, was man vor dem Umstellen wissen sollte. Die Dokumenten-Erzeugung v2 wird Standard, mit getrennten Erweiterungspunkten für Typen und Formate, weil PDF, barrierefreies HTML und E-Rechnung in der alten Implementierung schwer erweiterbar waren; v1 bleibt in 6.8 als Fallback und fällt in 6.9. Und Flows laufen erst, nachdem der eigentliche Geschäftsprozess fertig ist, im selben Prozess, damit ein scheiternder Flow keinen Checkout mehr unterbricht und teure Aktionen wie Mailversand nicht in der Message Queue mit unvorhersehbarer Verzögerung landen. Wer die vier Flags im Staging einschaltet, sieht jetzt, was Mitte 2027 Pflicht wird.

Für das Upgrade selbst empfiehlt Shopware das Treppenmodell: PHP, Datenbank, Plugins, eigener Code und Feature-Flags werden auf der aktuellen Version Stufe für Stufe angehoben, das eigentliche Shopware-Upgrade kommt zuletzt und ist dann klein. Das Gegenteil, alles auf einmal, nannte Jonas ausdrücklich den Ansatz, von dem Shopware wegkommen will, mit einem Zitat von Sam Newman: Wer einen Big-Bang-Rewrite macht, bekommt garantiert nur eines, den Big Bang. Das Werkzeug dafür ist ein Major-Flag. Mit V6_8_0_0=1 verhält sich die aktuelle Version an den angekündigten Bruchstellen schon wie 6.8, Aufrufe von APIs, die wegfallen, schlagen fehl, und die Testsuite zeigt, wo eigener Code betroffen ist. Shopware empfiehlt, beide Läufe in der CI zu behalten, den normalen und den mit Major-Flag, weil der zweite mit jedem Guard, den Shopware ergänzt, mehr Fälle findet. Grüne statische Analyse und grüne Tests mit diesem Flag heißen dann: bereit für 6.8.
Die Bausteine dahinter sind zum Teil schon da. Seit 6.7.14 beschreiben PHP-Attribute wie #[ParameterRemoval] kommende API-Änderungen direkt am Code, und ein PHPStan-Regelsatz dazu liegt als Proof of Concept vor. Für die Administration gibt es seit derselben Version experimentelle ESLint- und Typprüfungen, die mit den Regeln und Typen der installierten Shopware-Version arbeiten und veraltete Komponenten melden, bevor sie fehlen. Für die Storefront sind Deprecation-Prüfungen in Twig in Arbeit, dazu Laufzeit-Warnungen für Templates. Für Plugins, die mehrere Shopware-Versionen unterstützen müssen, gibt es einen Polyfill-Ansatz, mit dem dieselbe Klasse je nach vorhandenem Interface unterschiedlich aufgebaut wird. Was Jonas als Wartungsschleife für Plugins beschrieb, ist genau das, was ich meinen Kunden seit der 6.7-Serie empfehle: CI auf der aktuellen Version halten, Deprecations in kleinen Portionen beheben, kompatibel veröffentlichen, beim nächsten Release wiederholen. Kleine Schritte bleiben prüfbar.
Für meine Plugin-Projekte heißt das konkret: In der nächsten Wartungsrunde kommt das Major-Flag als zweiter CI-Lauf dazu, und die PHPStan-Regeln für die BC-Attribute sind einen Blick wert.
Agenten: vom Steuern zum Hüten
Drei Sessions näherten sich KI in der Entwicklung aus drei Richtungen, und zusammen ergeben sie ein Bild. Marco Podien von PayPal sprach unter dem Titel „SKILL Issue" über Skills für Coding-Agenten, also wiederverwendbare Anleitungen, die ein Agent bei Bedarf lädt. Prozedurales Wissen wird damit zum Software-Artefakt, aber mehr Skills sind nicht automatisch besser: Jeder zusätzliche Kontext kann mit anderem kollidieren, er nannte das Kontext-Ökonomie. One-Shot-Aufgaben scheitern meist an versteckten Annahmen, veraltetem Kontext, fehlender Verifikation und an Arbeit, die vorher hätte zerlegt werden müssen. Der Weg führt vom Steuern eines Assistenten zum Hüten mehrerer Agenten mit klarer Zuständigkeit und Review. Das deckt sich mit meiner Erfahrung aus dem Pareto-Beitrag: Der Aufwand verschiebt sich vom Schreiben zum Prüfen.

Björn Meyer nahm sich den Shopware-MCP-Server vor, über den KI-Clients wie Claude Desktop direkt mit dem Shop sprechen, verpackt als „MCP Museum of Eras" im Stil eines alten Terminals. Hinter dem Spiel steckt eine kurze, dichte Geschichte: Admin-Endpunkt seit 6.7.11 hinter einem Feature-Flag, Store-API-Endpunkt seit 6.7.12, seit 6.7.14 immer an, seit 6.7.15 mit OAuth-Login samt PKCE und Zustimmungsbildschirm statt kopierter API-Schlüssel, und mit 6.7.16 sollen Entitäts-Parameter sauberer beschrieben sein. Die Sicherheitsregeln sind konservativ: Jedes Schreib-Werkzeug läuft standardmäßig als Dry Run, jede Anfrage wird einzeln geprüft, ohne versteckten Sitzungszustand, und ein Toolset kann nur einschränken, was sichtbar ist, nie erweitern. Das Ziel ist Stabilität mit 6.8, allerdings nur, wenn das zugrunde liegende Symfony-MCP-Bundle und das SDK bis dahin ihre 1.0 erreichen. Dass eine Roadmap ihre eigene Abhängigkeit so offen benennt, ist selten.

Christian Dangl zeigte am späten Nachmittag Agent-Driven Development an einem echten Projekt: ein Handbuch, dem die Agenten folgen, ein Team aus Personas mit festen Rollen, parallele Arbeit an mehreren Tickets, QA durch einen eigenen Agenten, und die Frage, wo in einer agentischen Welt noch Platz für Kreativität ist. Fünf Muster habe ich mir notiert, weil sie sich auf jedes Projekt übertragen lassen: ein Glossar mit den Begriffen, die das Projekt wirklich benutzt, eine Bedienungsanleitung, die sich mit Demo-Daten selbst aktuell hält, eine Architektur-Visualisierung als Mermaid-Diagramm aus dem Code heraus, interaktive Dokumentation mit ausführbaren Beispielen, und Folgetickets für alles, was ein Agent am Rand findet und nicht liegen lassen soll. Fünf Muster, eine Regel: Der Mensch schaut immer noch einmal drüber. Das Werkzeug, mit dem er das Projekt gesteuert hat, ist sein eigenes: Sightdeck AI, ein macOS-Programm, das Aufgaben für Claude Code zerlegt, parallel laufen lässt und mit Tests und Reviews absichert. Ich habe es am nächsten Tag abonniert und installiert.
Zwischen diesen drei Blöcken gab es mit Nicole von 8mylez ein Gespräch darüber, wie man die Freude am Programmieren zurückgewinnt, mit einem Tutorial zu Go und einer Grafikbibliothek als Beispiel für etwas, das man nur aus Neugier baut. Benjamin von AKF erklärte, warum sein Team für über 22.000 Produkte eine eigene Suche gebaut hat: Die vorhandene war teuer, begrenzt und in ihrer Bewertung undurchsichtig. Den Abschluss machte Sebastian Grigarczik von AGIQON mit Erfahrungen aus Projekten, die aus dem Ruder gelaufen sind.
Hike, Kuchen und ein Kart-Rennen
Zwischen den Vorträgen stand ein Programmpunkt, der nichts mit Code zu tun hatte und trotzdem zu den besten des Tages gehörte. Unter dem Titel „The Hike" wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen durch den Shopware Campus geführt, bis hinauf auf den Shopware-Tower mit Blick über Schöppingen und die Felder ringsum. Dazu gab es Kuchen, und das Mittagessen davor war Leberkäse mit Sauerkraut und Kartoffelecken, ergänzt um eine Salatbar. Wer einen ganzen Tag Folien verarbeitet, merkt, wie viel solche Pausen für die Aufnahmefähigkeit tun.
Als Community-Event lief auf der Bühne der Shopware Grand Prix '26, ein Kart-Turnier mit 27 Fahrern in sieben Gruppen, jeweils vier gegeneinander, die besten zwei kamen weiter, dann Viertelfinale, Halbfinale und Finale. Mein Rennen war nach der Gruppenphase vorbei, die Konkurrenz hatte eindeutig mehr geübt. Den Titel holte Benjamin Wittwer, die Rangliste samt Turnierbaum steht online.

Was von Tag 2 bleibt
Mein Fazit des Tages ist eine Aufgabe: Das Major-Flag und die vier Feature-Flags gehören noch in diesem Jahr in die Staging-Umgebungen meiner Kundenprojekte, nicht erst, wenn der Release Candidate da ist. Shopware hat den Weg nach 6.8 so angelegt, dass die Arbeit auf 6.7 passiert. Wer sie dort macht, hat Mitte 2027 ein kleines Upgrade vor sich. Und die Plattform-These vom Morgen gilt auch für die eigene Arbeit: Je mehr Code Agenten schreiben, desto mehr hängt an der Struktur, in die er fällt.
Am Freitag folgten die Workshops zu Nexus, zum Steuern von Coding-Agenten und ein Plugin-Workshop mit Soner. Davon mehr im dritten Teil.
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Über den Autor
Ralf Siepker
Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.
Aktuelle Verfügbarkeit · Eingeschränkt
Freie Kapazität ab 01.01.2027
Kapazität ist knapp. Kleinere Aufgaben gehen meist trotzdem.
Kleineres Vorhaben? Direkt zu Shopware, Laravel, PHP-Fullstack.
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