Pareto in Zeiten von KI: Warum die letzten 20 Prozent 80 Prozent der Zeit kosten

Pareto in Zeiten von KI: Warum die letzten 20 Prozent 80 Prozent der Zeit kosten

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Das Pareto-Prinzip, neu betrachtet

Das Pareto-Prinzip ist bekannt: Rund 80 Prozent eines Ergebnisses entstehen aus etwa 20 Prozent des Aufwands. In der Software-Entwicklung mit KI-Unterstützung lässt sich das gerade in Echtzeit beobachten, allerdings mit einem Haken, der sich erst auf den zweiten Blick zeigt.

Das Pareto-Prinzip dreht sich um: 80 Prozent Funktionsumfang, aber 80 Prozent der Zeit für die letzten 20 Prozent

Die ersten 80 Prozent: schnell und beeindruckend

Moderne KI-Werkzeuge nehmen enorm viel Arbeit ab. Ein Prototyp steht in Stunden statt in Tagen. Boilerplate, Standard-CRUD, ein erstes Datenmodell, eine ansehnliche Oberfläche, die typische Anbindung an eine API: All das entsteht heute in einem Tempo, das vor wenigen Jahren undenkbar war. Das Ergebnis sieht schnell nach einem fertigen Produkt aus, und dieser Eindruck ist nicht falsch. Für die ersten 80 Prozent des Funktionsumfangs ist KI ein starker Beschleuniger.

Genau hier entsteht aber eine trügerische Sicherheit. Wenn vier Fünftel in so kurzer Zeit stehen, wirkt der Rest wie eine Formsache.

Der Bruch: die letzten 20 Prozent

Die verbleibenden 20 Prozent sind von anderer Natur. Sie bestehen aus den Dingen, die kein Demo-Screenshot zeigt:

  • Edge Cases und Fehlerbehandlung, die erst unter echten Daten sichtbar werden
  • Sicherheit, von Eingabevalidierung über Rechte bis zum Schutz vor Spam und Missbrauch
  • Performance und Skalierung, wenn aus zehn Testdatensätzen zehntausende echte werden
  • Integration in Bestand, in gewachsene Systeme, Altlasten und fremde Schnittstellen
  • Wartbarkeit, damit das Ergebnis in einem Jahr noch änderbar ist
  • Rechtliche und fachliche Anforderungen, etwa Datenschutz oder Branchenlogik

Dazu kommt eine Eigenheit von KI-generiertem Code: Er sieht oft plausibel aus, ist aber im Detail subtil falsch. Ein Aufruf, der fast stimmt. Eine Annahme, die in 95 Prozent der Fälle trägt und im entscheidenden Moment bricht. Solche Stellen zu erkennen, setzt ein belastbares Verständnis der Technik voraus.

Die Umkehr des Zeitaufwands

Damit dreht sich das Pareto-Verhältnis um. Nicht beim Ergebnis, sondern bei der Zeit: Die letzten 20 Prozent des Funktionsumfangs beanspruchen rund 80 Prozent der Gesamtzeit. Was die KI in den ersten Stunden liefert, ist die Grundlage. Was ein Projekt produktionsreif, sicher und langlebig macht, entsteht in der Feinarbeit danach.

Aufwand bis zur Produktionsreife: die letzten 20 Prozent kosten 80 Prozent der Zeit

Diese Feinarbeit lässt sich schlecht abkürzen, weil sie Urteilsvermögen verlangt: die richtige Architektur-Entscheidung, das gezielte Debugging einer Ursache statt eines Symptoms, das kritische Review des generierten Codes, die Verantwortung für das, was am Ende live geht.

Was das für Projekte bedeutet

Für Auftraggeber ist die wichtigste Erkenntnis, die 80-Prozent-Illusion nicht mit Fertigstellung zu verwechseln. Ein schneller Prototyp ist wertvoll, aber er ist der Anfang, nicht das Ziel. Eine realistische Planung berücksichtigt, dass der größere Teil des Aufwands nach dem ersten sichtbaren Ergebnis liegt.

KI verschiebt die Arbeit, sie ersetzt sie nicht. Sie übernimmt das Schnelle und Wiederholbare und macht dadurch die verbleibende Feinarbeit umso wichtiger. Dort, in den letzten 20 Prozent, entscheidet Erfahrung in der Software-Entwicklung darüber, ob aus einem beeindruckenden Prototyp eine tragfähige Lösung wird.

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KI Softwareentwicklung Pareto Produktivität

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