Shopware Partner Day 2023 in Ahaus
Zurück in Ahaus
Am 12. Oktober fand der Shopware Partner Day statt, wieder auf dem Tobit-Campus in Ahaus. Für alle, die schon länger dabei sind, ist der Ort mit Erinnerungen verbunden: Hier fanden die frühen Community Days statt. Beim zweiten davon im Juni 2012 füllten gut 900 Besucher das Atrium, auf der Bühne stand die Vorstellung von Shopware 4, und ein zur Zeitmaschine umgebauter DeLorean fuhr durch den Zuschauerbereich.
Elf Jahre später steht dasselbe Haus für einen anderen Anlass bereit. Der Wechsel vom offenen Community-Treffen zum Partnerformat sagt einiges darüber, wie sich das Ökosystem seitdem ausdifferenziert hat.
Der Partner Day ist ein anderes Format als der Community Day. Er richtet sich nicht an alle Interessierten, sondern an Agenturen, Dienstleister und Technologiepartner. Entsprechend anders sind die Themen: weniger Grundlagen, mehr Geschäftsmodell, Roadmap und Zusammenarbeit. Das Programm lief in drei parallelen Spuren, überschrieben mit Inspiration, Experience und Tech Stage.

Vor dem Start: die Bühne mit der Partnerlogo-Wand.
Drei Spuren, eine Entscheidung
Die Aufteilung in Inspiration, Experience und Tech Stage klingt nach Programmgestaltung, ist aber vor allem eine Aussage über das Publikum. Ein Partnertag versammelt Leute mit sehr verschiedenen Aufgaben: Geschäftsführung, Projektleitung, Entwicklung, Vertrieb.
Für Einzelkämpfer ist das eine Zumutung eigener Art. Wer allein arbeitet, ist alle diese Rollen gleichzeitig und muss sich trotzdem für einen Raum entscheiden. Ich habe den Schwerpunkt auf die technische Spur gelegt und die Produktthemen mitgenommen, den vertrieblichen Teil dagegen ausgelassen.
Das ist keine Kritik am Format, sondern seine Logik: Ein Programm, das allen gleichzeitig gerecht wird, wäre für niemanden mehr scharf.
Daten und KI als Produktthema
Ein Schwerpunkt lag auf dem, was Shopware unter „Data & AI" zusammenfasst. Das ist bemerkenswert, weil dieselben Begriffe ein halbes Jahr zuvor auf der Community UnConference noch als offene Fragen an einer Pinnwand hingen. Aus einem Thema, über das die Community diskutierte, ist inzwischen ein Punkt der Produktstrategie geworden.
Für die Praxis ist dabei weniger interessant, welche Funktionen angekündigt werden, als die Frage dahinter: Wo entstehen die Daten, auf denen so etwas aufsetzt, und wem gehören sie. Ein Shopsystem sitzt an einer Stelle, an der Verhalten, Katalog und Bestellungen zusammenlaufen. Was daraus gemacht wird, entscheidet sich nicht am Modell, sondern an der Datenbasis.

Aus der Produktspur: Daten und KI als Teil der Roadmap.
Extension Partner und der Store
Die für mich nützlichste Session drehte sich um das Extension Partner Programm und den Shopware Store. Wer Erweiterungen entwickelt und veröffentlicht, hat es mit einem Regelwerk zu tun, das über die Technik hinausgeht: Freigabeprozess, Qualitätsanforderungen, Sichtbarkeit im Store, Preisgestaltung, Support-Erwartungen.
Diese Dinge stehen zwar dokumentiert im Partnerbereich, aber eine Stunde, in der jemand vom Hersteller die Hintergründe erklärt und Fragen aus dem Saal beantwortet, ersetzt eine Menge Lesezeit. Vor allem erfährt man, was sich demnächst ändert, und kann eigene Planungen darauf einstellen, statt später zu reagieren.
Der Unterschied zwischen Dokumentation und so einer Session liegt in den Zwischentönen. Geschrieben steht, welche Kriterien eine Erweiterung erfüllen muss. Im Saal erfährt man, welche davon in der Prüfung tatsächlich zu Rückfragen führen und woran die meisten Einreichungen scheitern. Das ist die Art Wissen, die sonst nur durch eigene Fehlversuche entsteht.

Session zum Extension Partner Programm und zur Veröffentlichung im Store.
Was ein Partnertag leistet
Der Nutzen solcher Termine liegt selten in einer einzelnen Information. Er liegt darin, ein Bild davon zu bekommen, wohin sich ein System bewegt, mit dem man täglich arbeitet und für das man Auftraggebern gegenüber Empfehlungen ausspricht.
Wer einem Kunden zu einer Plattform rät, entscheidet mit über dessen nächste Jahre. Diese Verantwortung lässt sich schlecht allein aus Release Notes tragen. Ein Tag, an dem Roadmap, Partnerstruktur und Store-Bedingungen zusammen auf dem Tisch liegen, macht solche Empfehlungen belastbarer.
Dazu kommt der Teil, der in keinem Programmheft steht: In den Pausen trifft man Leute, mit denen man sonst nur schreibt. Bei Projekten, die über die eigene Kapazität hinausgehen, ist das oft mehr wert als jede Folie.
Für einen Tag Abwesenheit ist das eine gute Bilanz, zumal die Anfahrt nach Ahaus überschaubar bleibt. Wer weiter weg sitzt, wird schärfer rechnen müssen, ob sich der Aufwand lohnt.
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Über den Autor
Ralf Siepker
Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.
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