Shopware Community Day 2012 in Ahaus

Shopware Community Day 2012 in Ahaus

~8 min Lesezeit

Die im Text erwähnte Pressemitteilung von Shopware ist heute nur noch im Webarchiv erreichbar.

Zurück in die Zukunft, im Tobit-Atrium

Am vergangenen Freitag hat der zweite Shopware Community Day stattgefunden, wieder als Hausmesse im Atrium von Tobit Software in Ahaus. Auf der Videowand lief ein Countdown, darüber eine Leiste mit dem Twitter-Hashtag zur Veranstaltung, und im Saal wurde es voll. Laut der Pressemitteilung, die Shopware gestern veröffentlicht hat, waren es mehr als 900 Besucher und 27 Aussteller. Ausverkauft war der Tag schon mehrere Tage vorher.

Den Auftakt hat sich Shopware passend zum Motto „The next level of eCommerce" einiges kosten lassen: Ein zur Zeitmaschine umgebauter DeLorean fuhr durch den Zuschauerbereich bis zur Bühne, am Steuer Vorstand Stefan Heyne. Die Botschaft war klar, bevor die erste Folie lief.

Die Keynote zu Shopware 4

Der inhaltliche Kern des Tages war die Vorstellung von Shopware 4. Die Version soll im August erscheinen. André Schultewolter von der shopware AG hat die Keynote entlang von drei Schwerpunkten aufgebaut: Bedienung, Technologie und neue Funktionen.

Für die Praxis interessant war vor allem, was zum neuen Backend gezeigt wurde: Mehrsprachenfähigkeit, eine Architektur, die auf Erweiterbarkeit ausgelegt ist, und Sub-Applikationen, die ohne iFrames auskommen und miteinander interagieren können. Performance stand ausdrücklich mit auf der Liste. Wer schon einmal ein gewachsenes Shop-Backend erweitert hat, weiß, warum genau diese Punkte auf einer Folie stehen.

Mitnehmen konnte man die neue Version auch gleich: Jeder Gast hat einen USB-Stick mit einer Beta von Shopware 4 bekommen.

Zwölf Eindrücke vom Tag

Kurz vor dem Start: Countdown auf der Videowand, darüber die Hashtag-Leiste.
Die Eröffnung auf der Bühne vor der Logowand.
Der DeLorean nach der Einfahrt, mitten im Zuschauerbereich.
Später am Vormittag stand der Wagen zum Ansehen frei, Flügeltüren offen.
Das Zeitschaltwerk im Innenraum, bis zur Zielzeit im Jahr 1120 nachgebaut.
Workshop zur Plugin-Programmierung, live in der Entwicklungsumgebung.
Volles Haus: Der Vortrag zu den rechtlichen Risiken für Shopbetreiber.
„Der Shop läuft. Was jetzt?!" von Dr. Roman Zenner.
Die großen Plattformen als Maßstab für die eigene Shop-Erfahrung.
Eine der Hausaufgaben aus demselben Vortrag.
Im Entwicklerworkshop: die technischen Neuerungen des Shopware-4-Backends.
Die Podiumsdiskussion zum Tablet Commerce am Nachmittag.

Vorträge zwischen Recht, Usability und Tablets

Das Bühnenprogramm war bewusst breit angelegt. Rechtsanwalt Thomas Feil hat die Risiken für Shopbetreiber sortiert und dabei drei Gefahrenquellen herausgestellt: den Newsletter, den „Gefällt mir"-Button und Datenschutzbelehrungen samt Haftungsausschlüssen. Nichts davon ist für sich genommen neu, in der Zusammenstellung wird aber deutlich, wie viele Kleinigkeiten an einem laufenden Shop hängen.

Viel Zuspruch bekam der Vortrag von Dr. Roman Zenner unter dem Titel „Der Shop läuft. Was jetzt?!". Sein Ausgangspunkt: Kunden vergleichen den eigenen Shop nicht mit dem Wettbewerber von nebenan, sondern mit Google, Amazon, Facebook und Apple. Dass eine seiner Hausaufgaben „Kaufen Sie sich ein iPad!" lautete, war weniger ein Gag als eine Aufforderung, die eigene Zielgruppe auf deren Geräten zu erleben.

Genau da hat der Nachmittag angeschlossen. Nach einem Vortrag zur Optimierung für Tablet-Nutzer diskutierte eine Runde aus sechs Teilnehmern die Frage, ob Tablet Commerce das nächste Level im E-Commerce ist. Auf dem Podium saßen Johannes Altmann (Shoplupe), Rainer Wolf (arktis.de), Dr. Roman Zenner, Sebastian Hamann (shopware AG), Alexander Ringsdorff (Couch Commerce) und Stefan Dickfeld (Sell It Smart). Einig war man sich nicht, was die Diskussion deutlich besser gemacht hat.

Für Entwickler: Workshops und ein gelber Schulbus

Neben der Bühne lief ein eigenes Programm für Entwickler, und das war der Teil, wegen dem sich die Anreise für technisch Interessierte besonders gelohnt hat. Zwei Workshops standen im Plan: einer zur Programmierung von Shopware-Plugins, einer zu den technischen Neuerungen von Shopware 4. Beide waren so gefragt, dass sie noch am selben Tag wiederholt wurden.

Geöffneter Heckbereich des DeLorean mit sichtbarer Technik aus Kabeln, Kondensatoren und Schläuchen, im Hintergrund die Programmtafel mit dem Eintrag Entwicklerworkshop Programmierung von Shopware Plugins

Zwei Arten von Innenleben an einem Bild: die freigelegte Technik der Zeitmaschine, dahinter der Programmpunkt zum Plugin-Workshop.

Dazu kam eine Entwicklerlounge, untergebracht in einem quietschgelben amerikanischen Schulbus. Über den Tag verteilt war das der Ort, an dem man ohne Umweg über eine Agenda ins Gespräch über das Innenleben der Software kam.

Gespräche zwischen den Ständen

Der Ausstellerbereich hat die Bandbreite der Branche abgebildet: Zahlungsarten, Rechtssicherheit, Individualprogrammierung, Internationalisierung. Bei 27 Ständen kommt einiges an Gesprächen zusammen, und die waren durchweg angenehm sachlich, ohne den Verkaufsdruck, den man von größeren Messen kennt.

Der schönste Teil des Tages stand allerdings in keinem Programmheft: das Wiedersehen mit ehemaligen Arbeitskollegen und der Austausch mit anderen Freiberuflern aus der Community. Eine Branchenveranstaltung ist eben auch der Ort, an dem sich Wege wieder kreuzen, die beruflich längst auseinandergegangen sind.

Kennengelernt über Shop Nummer eins

Ganz neu ist Shopware für mich allerdings nicht. Aufmerksam geworden bin ich auf die Software über arktis.de, den ersten Shopware-Shop überhaupt. Das Unternehmen kenne ich dabei von innen: Irgendwann in den 2000ern war ich dort zu Gast, um mir deren Software-Lösung für eine „chaotische Lagerhaltung" anzusehen, also für das Prinzip, Artikel auf beliebige freie Plätze zu legen und die Zuordnung allein dem System zu überlassen.

Der eigentlich spannende Teil war dabei nicht das Lager, sondern das Zusammenspiel mit Shopware. Ob eine Bestellung sauber in die Kommissionierung läuft und ob der Bestand rechtzeitig zurück in den Katalog gemeldet wird, entscheidet im Alltag über mehr als jede Funktionsliste. Dort habe ich das System zum ersten Mal im echten Betrieb gesehen und nicht als Vorführung.

Ich habe zu der Zeit selbst einen Onlineshop betrieben, der auf einer eigenen PHP-Entwicklung lief, und schon damals aus Entwicklersicht neugierig auf Shopware geschaut. Dass Rainer Wolf an diesem Freitag mit auf dem Podium saß, schließt insofern einen kleinen Kreis.

Genauer angesehen habe ich mir das System dann 2010, als mit Version 3.5 die erste Community Edition vorgestellt wurde und der Quellcode offen zugänglich war. Unter der Haube liefen damals das Zend Framework, Shopwares eigenes Enlight und ExtJS im Backend. Das Zend Framework war aus Magento-Projekten ohnehin vertraut, entsprechend schnell war der Einstieg in den Code.

Umso interessanter ist, wie deutlich sich der Anspruch seitdem verschoben hat. Was 2010 ein offengelegtes Shopsystem war, wird mit Version 4 als Plattform präsentiert, die Erweiterungen von vornherein einplant.

Was bleibt

Der Arbeitsalltag spielt sich derzeit überwiegend in Magento-Projekten ab, der Besuch war insofern ein Blick über den Tellerrand. Genau dafür hat er sich gelohnt. Shopware 4 wirkt nach dem, was in Ahaus zu sehen war, wie ein ernst gemeinter Schritt: ein Backend, das auf Erweiterbarkeit gebaut ist, statt Erweiterungen nachträglich zu dulden.

Ob die Version hält, was die Keynote verspricht, zeigt sich im August. Bis dahin liegt der USB-Stick mit der Beta bereit.

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Shopware Event Shopware 4 Community
Ralf Siepker

Über den Autor

Ralf Siepker

Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.

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