Shopware Community Day 2024 in Duisburg

Shopware Community Day 2024 in Duisburg

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Ein Hochofen als Veranstaltungsort

Am 15. und 16. Mai fand der Shopware Community Day statt, diesmal im Landschaftspark Duisburg-Nord. Nach Angaben des Veranstalters kamen über 1.500 Teilnehmer, verteilt auf zwei Tage mit je zwei Bühnen und insgesamt mehr als 30 Vorträgen.

Der Ort ist ein stillgelegtes Hüttenwerk, heute Denkmal und Veranstaltungsgelände. Rohre, Stahlträger und Betonwände stehen noch, dazwischen hängen Leinwände und Lichttechnik. Das ist mehr als Kulisse: Wer aus dem Saal tritt, steht zwischen Hochöfen, und das prägt die Stimmung eines Tages deutlich anders als ein Kongresszentrum.

Zum Vergleich, wie sehr die Veranstaltung gewachsen ist: Beim zweiten Community Day 2012 im Tobit-Atrium waren es gut 900 Besucher und 27 Aussteller an einem Tag. Zwölf Jahre später sind es zwei Tage, zwei Bühnen und deutlich über tausend Leute.

Die Produktstrategie in drei Stufen

Die Keynote ordnete die Entwicklung von Shopware in drei Phasen. Erst „Commerce led" mit Shopware 5 und 6, also ein System, dessen Kern der Verkaufsprozess ist. Dann „Experience led" mit 6.5 und 6.6, wo Inhalte, Composable Frontends und der Digital Sales Room dazukamen. Und ab 2024 „Service led", mit Bausteinen wie Analytics, Shopper Profile und einem KI-Copilot.

Was in solchen Folien nach Marketing klingt, hat eine handfeste Seite: Die Struktur darunter zeigt getrennte SDKs für Storefront, Administration und Digital Sales Room sowie eine gemeinsame API-Ebene. Für Erweiterungsentwicklung ist das die eigentliche Nachricht. Je klarer die Schnittstellen, desto weniger muss man in fremden Code eingreifen, und desto besser überleben eigene Erweiterungen ein Update.

Keynote-Folie mit der Entwicklung der Shopware-Produktstrategie von Commerce led über Experience led zu Service led

Die Produktstrategie in drei Stufen, darunter die technische Struktur.

PHPUnit, vom Autor erklärt

Das Highlight des Tech Day war für mich ein Vortrag mit einem denkbar schlichten Titel: „PHPUnit for Shopware Developers", gehalten von Sebastian Bergmann. Bergmann hat PHPUnit geschrieben, das Testframework, das in praktisch jedem größeren PHP-Projekt läuft, auch in Shopware selbst.

Solche Vorträge sind selten in dieser Kombination. Testing-Sessions gibt es viele, aber hier erklärte jemand die Werkzeuge, deren Entwurfsentscheidungen er selbst getroffen hat, an einem konkreten System. Man bekommt nicht nur mit, wie etwas geht, sondern warum es so gebaut ist, und wo verbreitete Gewohnheiten am Werkzeug vorbeigehen.

Gehört habe ich ihn dabei nicht zum ersten Mal. 2009 sprach er auf der International PHP Conference in Karlsruhe, damals ebenfalls über PHPUnit. Auf derselben Konferenz hielt Fabien Potencier, der Erfinder von Symfony, einen Vortrag über Dependency Injection. Das Konzept war zu diesem Zeitpunkt neu genug, um ausführlich erklärt zu werden.

Im Rückblick saß man da vor beiden Hälften der heutigen Grundausstattung, ohne es zu ahnen. Symfony ist längst keine Alternative unter vielen mehr, sondern der Unterbau, auf dem ein Großteil der PHP-Welt steht: Shopware baut darauf auf, Laravel und Magento nutzen seine Komponenten. Und jedes Shopware-Plugin registriert seine Dienste über genau jenes Muster, das 2009 noch einen eigenen Vortrag brauchte.

Fünfzehn Jahre später denselben Menschen über dasselbe Testframework sprechen zu hören, während das andere Thema von damals unsichtbar unter allem liegt, sagt einiges über ein Feld, das sich gern als schnelllebig beschreibt.

Für die eigene Arbeit war der wichtigste Punkt der unspektakulärste: Tests sind kein Selbstzweck und keine Quote, die man erfüllt. Sie sind eine Aussage darüber, welches Verhalten erhalten bleiben soll. Wer das ernst nimmt, schreibt andere Tests als jemand, der eine Zahl im Report verbessern will.

Vortrag PHPUnit for Shopware Developers von Sebastian Bergmann auf der Bühne im Landschaftspark

„PHPUnit for Shopware Developers", gehalten vom Autor des Frameworks.

Das App-System, an einem echten Beispiel

Ein Vortrag am Nachmittag zeigte, was die angekündigte Struktur praktisch bedeutet. Vorgestellt wurde ein Machbarkeitsnachweis: die PayPal-Anbindung nicht mehr als klassisches Plugin, sondern als App, mit eigener Registrierung, Zahlungsart und den damals neuen Storefront Actions.

Der Unterschied ist grundlegender, als er klingt. Ein Plugin läuft im Shop und hat vollen Zugriff auf dessen Innenleben. Eine App läuft außerhalb und kommuniziert über definierte Schnittstellen. Das kostet Freiheit und bringt dafür etwas, das im Betrieb schwer wiegt: Was außerhalb läuft, kann ein Update im Kern nicht zerreißen.

Für Zahlungsanbindungen ist das besonders interessant, weil dort beides zusammenkommt, hohe Anforderungen an Verlässlichkeit und ein Anbieter, der sein eigenes Tempo hat.

Vortrag mit der Folie the new app, daneben ein GitHub-Repository des Machbarkeitsnachweises für eine PayPal-App

Machbarkeitsnachweis: PayPal als App statt als Plugin, samt öffentlichem Repository.

Was von zwei Tagen bleibt

Ein Event dieser Größe hat einen anderen Charakter als eine Unconference. Man sitzt mehr, hört mehr zu und redet weniger. Dafür bekommt man ein vollständigeres Bild: Produktrichtung, technische Tiefe und Marktstimmung an zwei Tagen.

Die nüchterne Einordnung eines solchen Termins ist trotzdem, dass die Vorträge das eine sind und die Gespräche dazwischen das andere. Diesmal ergaben sich unter anderem längere Unterhaltungen mit Claudia von Shopware, Rico von run_as_root, Jan von maxcluster und Tobi von connect-io.

Daran lässt sich gut zeigen, wie die Szene funktioniert: Zwei aus dieser Runde trifft man im Frühjahr auf der Unconference wieder, wo sie zum Organisationsteam gehören. Bei über tausend Anwesenden wirkt das Feld groß, der Kreis derer, die es über Jahre tragen, ist es nicht.

Was ich mitgenommen habe, ist vor allem eine Erwartung an die nächsten Versionen: Wenn die angekündigte Trennung in klar geschnittene SDKs und eine gemeinsame API-Ebene so kommt, wird Erweiterungsentwicklung berechenbarer. Ob das eintritt, zeigt sich an den Releases, nicht an den Folien.

Bemerkenswert war noch etwas anderes. Ein Unternehmen, das inzwischen international auftritt und eine Enterprise-Kundschaft bedient, räumt der Community Edition und der Community selbst weiterhin Platz auf der Hauptbühne ein. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Bei anderen Systemen ist die freie Fassung über die Jahre in den Fußnoten verschwunden.

Die Community als eigener Programmpunkt der Keynote.
Auch die frei verfügbare Community Edition bekommt Bühnenzeit.
Zwei Tage, zwei Bühnen, über 1.500 Teilnehmer.

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Shopware 6 Event Community Testing
Ralf Siepker

Über den Autor

Ralf Siepker

Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.

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