Shopware Community UnConference 2023 in Köln
Ein Programm, das es vorher nicht gibt
Am vergangenen Wochenende fand in Köln die Shopware Community UnConference statt, veranstaltet von FireGento e.V. Ich war Samstag und Sonntag dabei. Der Ort passte zum Format: „Die Wohngemeinschaft" in der Richard-Wagner-Straße ist ein Hotel mit Bar und Wohnzimmercharakter, keine Kongresshalle.
Eine Unconference unterscheidet sich von einer Konferenz in einem einzigen, aber entscheidenden Punkt: Es gibt vorher kein Programm. Wer ein Thema mitbringt, schreibt es auf eine Karte und hängt sie an die Wand. Danach vergeben alle Anwesenden Klebepunkte, und aus der Verteilung entsteht der Sessionplan für den Tag.
Das klingt nach Chaos und ist das Gegenteil. Weil niemand Monate vorher einen Vortrag einreichen musste, landen Themen auf der Wand, die tatsächlich gerade jemanden beschäftigen. Und weil abgestimmt wird, läuft keine Session vor drei Leuten, während nebenan der Raum überquillt.

Die Themenwand am Samstagmorgen: Jede Karte ein Vorschlag, jeder Punkt eine Stimme.
Eine knappe halbe Stunde später hängt daraus ein fertiger Plan. Die Räume tragen keine Saalnummern, sondern Namen wie „Diddl Maus", „Fledermaus" und „Sendung mit der Maus", die Zeitschiene läuft von 12:00 bis 17:00, und dazwischen stehen die Karten, die es durch die Abstimmung geschafft haben.

Aus Vorschlägen wird ein Plan: der Samstag, fertig geplant am Samstagvormittag.
Die Bandbreite eines einzigen Tages zeigt, warum das Format funktioniert. Neben „Make the Shopware 6 API simple again" und „Best practice für die 6.5-Migration" stand ein Vorschlag zu Rust als Erweiterungssprache für PHP, eine offene Runde zur künftigen Shopware-Architektur, eine Session zu Deployment-Werkzeugen, eine zum Ausrollen hunderter Plugins per Composer, und eine „AMA on being a woman in tech". Kein Programmkomitee der Welt hätte diese Mischung zusammengestellt.
Am Sonntagmorgen beginnt das Ganze von vorn. Die Wand ist leer, die Karten sind neu, und wer am Samstag in einer Session eine Frage nicht loswurde, hängt sie jetzt als eigenes Thema auf.

Der Sonntag, neu geplant: unter anderem Shopware CLI, Code-Analyse in der Pipeline und ein Performance-Workshop.
Das Thema des Jahres war offensichtlich
Ein Blick auf die Wand genügte, um zu sehen, was die Branche im Frühjahr 2023 umtreibt. „OpenAI: Hope or Hype?", „Using AI for coding: Best practices", „Search Engine with ChatGPT", und eine Karte, die die Stimmung ehrlicher zusammenfasst als jeder Fachartikel: „How to not lose your job to AI".
ChatGPT ist gut vier Monate alt. Entsprechend wenig gesichertes Wissen gibt es, entsprechend viel Diskussionsbedarf. In der Session, aus der das Flipchart unten stammt, ging es weniger um Werkzeuge als um Folgen: Wo hilft das im Alltag, wo entstehen Risiken, was bedeutet es für Beschäftigung und Sales.
Bemerkenswert fand ich, dass die Runde weder in Euphorie noch in Abwehr verfiel. Der Tenor war eher: Wir wissen es noch nicht, also probieren wir es aus und reden darüber. Für ein Thema, das zu diesem Zeitpunkt fast überall entweder als Heilsversprechen oder als Untergang verhandelt wurde, war das wohltuend.

Ergebnis einer KI-Session: mehr offene Fragen als Antworten, aber sortierte.
Ein Klassentreffen mit Vorgeschichte
Was die Unconference von anderen Terminen unterscheidet, merkt man an der Zusammensetzung. Ein guter Teil der Runde kennt sich aus einer Zeit, in der Shopware für alle Anwesenden noch kein Thema war: aus der Magento-Community.
Das ist kein Zufall, sondern Ökosystem-Geschichte. FireGento entstand als Verein der deutschsprachigen Magento-Community. Als sich die Lage um Magento veränderte, wechselten viele Entwickler zu Shopware, und die Veranstaltungsreihe ging den Weg mit.
Für die Termine selbst hat das eine angenehme Folge: Man muss sich nicht erst kennenlernen. Ein Teil dieser Gespräche läuft seit über zehn Jahren, nur der Technologiename darin hat gewechselt. Auch das Team hinter der Unconference kenne ich entsprechend lange: Carmen, Claudia, Fabian und Rico. Das ist der Grund, warum so ein Wochenende weniger nach Weiterbildung aussieht und mehr nach Klassentreffen.
Erwähnenswert ist das auch deshalb, weil die Organisation eines solchen Formats mehr Arbeit macht, als das Ergebnis vermuten lässt. Ein Tag, an dem sich das Programm scheinbar von selbst ergibt, setzt voraus, dass Raum, Technik, Verpflegung und Ablauf vorher stehen. Diese Arbeit sieht man nur, wenn sie fehlt.

Der Abend gehört fest zum Format, hier in der Küche des Hauses.
Werkzeuge aus der Community
Nicht alles drehte sich um KI. Eine der Sessions am Sonntag befasste sich mit dem FroshPluginUploader, einem Werkzeug aus dem Projekt FriendsOfShopware, mit dem sich Erweiterungen automatisiert in den Shopware Store hochladen lassen.
Solche Werkzeuge sind der unterschätzte Teil eines Ökosystems und nehmen bei der Plugin-Entwicklung wiederkehrende Handgriffe ab. Sie entstehen, weil jemand ein wiederkehrendes Ärgernis nicht mehr ertragen wollte, sie stehen unter freier Lizenz, und sie nehmen anderen dieselbe Arbeit ab. Wer im Store veröffentlicht, spart damit bei jedem Release manuelle Schritte.
Eine zweite Session ging in dieselbe Richtung und zeigte, wie eine Agentur ihre eigenen Erweiterungen über ein privates Composer-Repository an die Kundenshops ausliefert. Die Zahlen auf dem Dashboard machten den Maßstab deutlich: über 135.000 Installationen insgesamt, das meistgenutzte Paket allein über 100.000. Wer so viele Shops betreut, kann Plugins nicht mehr von Hand kopieren, sondern braucht denselben Weg, den PHP-Projekte ohnehin gehen.
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Warum sich das Format lohnt
Eine Unconference liefert kein Zertifikat und keine Aufzeichnung zum Nachschauen. Was sie liefert, ist ein ungefilterter Querschnitt dessen, was Kolleginnen und Kollegen gerade beschäftigt, inklusive der Dinge, die niemand in einen offiziellen Vortrag schreiben würde.
Für jemanden, der allein arbeitet, ist das schwer zu ersetzen. Im Projektalltag hört man selten, wie andere dieselbe Aufgabe gelöst haben, und noch seltener, woran sie gescheitert sind. Genau das steht hier an der Wand, samt Namen des Vortragenden.
Der Rest des Wochenendes hat ebenfalls seinen Wert: Köln liegt vor der Tür, und zwischen zwei Sessionblöcken reicht die Zeit für einen Gang in die Stadt.

Zwischendurch raus: der Dom, wenige Minuten vom Veranstaltungsort entfernt.
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Über den Autor
Ralf Siepker
Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.
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