Shopware Boost Days 2022 in Schöppingen
Einen ausführlichen Recap derselben Veranstaltung hat basecom veröffentlicht: Recap: Shopware Boost Days 2022.
Zwei Tage auf dem Campus
Am 16. und 17. September fanden die achten Shopware Boost Days statt, wieder auf dem Campus in Schöppingen. Ich war vom Get-together am Vorabend bis zum Schluss am Samstagmittag dabei. Rund 40 Leute kamen vor Ort zusammen, weitere waren remote zugeschaltet, das Format lief also hybrid mit einem Online-Teil in Gather Town.
Der Ablauf hatte wenig von einer Konferenz und viel von einem gemütlichen Hackathon: kein Vortragsprogramm zum Abarbeiten, keine parallelen Tracks, keine Viertelstundentaktung. Los ging es am Donnerstagabend mit dem Get-together, am Freitagmorgen wurden Ideen und Themen gesammelt und vorgestellt, danach bildeten sich Gruppen. Gearbeitet wurde dann bis in den Samstagmittag hinein, in dem Tempo, das die jeweilige Sache verlangte.
Der Abend davor ist dabei mehr als Beiwerk. Wer sich am Donnerstag schon einmal unterhalten hat, steht am Freitagmorgen bei der Themensammlung nicht vor lauter Fremden. Für ein Format, das darauf beruht, dass sich in kurzer Zeit Arbeitsgruppen finden, ist das der eigentliche Startpunkt. Für mich war die Teilnahme am Vorabend leicht mitzunehmen, weil die Anfahrt nach Schöppingen von hier aus eine gute halbe Stunde dauert. Wer aus Süddeutschland anreist, überlegt sich das anders.
Woran gearbeitet wurde
Die Themen kamen von zwei Seiten. Aus der Community kamen unter anderem eine Anpassung der Enterprise Search, eine bessere Steuerung der Scheduled Tasks, CMS-Elemente für responsive Ansichten und Performance-Optimierungen an der Warenkorb-Berechnung. Shopware selbst brachte Performance-Verbesserungen und Dockware mit auf die Liste.
Am Freitagnachmittag gab es zusätzlich eine „Mystery Frontend Session", in der Pläne für Shopware 6.5 vorgestellt wurden. Wann diese Version kommt, ist noch offen, aber wer heute Projekte plant, weiß nach so einem Nachmittag deutlich besser, worauf er sich einstellen sollte.
Ich selbst habe mich keiner der Gruppen angeschlossen. Ein eigenes Thema hatte ich zwar dabei, am Ende ist daran aber weniger Code entstanden als vorgenommen: Der Schwerpunkt lag bei mir auf den Gesprächen, mit anderen Dienstleistern ebenso wie mit Leuten aus dem Kernteam.
Das ist keine verpasste Gelegenheit, sondern die vernünftigere Nutzung eines solchen Termins. Programmieren lässt sich auch am eigenen Schreibtisch, und zwar ungestörter. Diese Runde an einem Ort trifft man dagegen zweimal im Jahr.
Warum das Format funktioniert
Ein Hackathon mit dem Hersteller im selben Raum leistet etwas, das weder Dokumentation noch Ticketsystem hinbekommen: Man sitzt neben Leuten, die den Code geschrieben haben, über den man sich sonst allein wundert. Eine Frage, die per Issue drei Tage Umlauf braucht, ist hier in zwei Minuten geklärt.
Der zweite Effekt ist die Richtung zurück. Wer als Dienstleister täglich mit einem System arbeitet, sammelt Beobachtungen, die im Kern niemand hat, weil sie erst im echten Projekt entstehen. In einer Themensammlung landen genau solche Punkte auf dem Tisch, und manche davon werden zu Code.
Und drittens lernt man die Gesichter kennen. Das klingt nach Nebensache, ist aber der Grund, warum eine Community mehr ist als ein Forum: Man weiß hinterher, wen man fragen kann.
Dazu gehört, dass hier auch der Vorstand ansprechbar ist, ohne Termin und ohne Anlass. Bei einem Unternehmen dieser Größe ist das nicht selbstverständlich, und es sagt mehr über das Verhältnis zur Community aus als jede Absichtserklärung. Man erfährt in solchen Gesprächen auch Dinge über die Richtung des Produkts, die in keiner Roadmap stehen.
Erwähnen muss man außerdem die Kantine. Das klingt nach einer Randnotiz, ist aber genau der Punkt, an dem sich zeigt, ob ein Gastgeber es ernst meint: Verpflegt wird auf einem Niveau, das man in einem Firmenrestaurant nicht erwartet, und über den ganzen Tag hinweg. Bei einem Format, bei dem alle zwei Tage lang am selben Ort sitzen, ist das kein Nebenschauplatz.
Abends nach Vreden
Zum Rahmenprogramm gehörte am Freitagabend nach dem Grillen ein Ausflug, und der ging in eine Halle, die man in einer Kleinstadt im Münsterland nicht vermutet. Die Retro Nerds Münsterland e.V. betreiben in Vreden eine Sammlung von über hundert Arcade- und Flipperautomaten aus fünf Jahrzehnten. Der Verein ist 2017 als Interessengemeinschaft entstanden und seit 2018 gemeinnützig.
Untergebracht ist das Ganze in einer ehemaligen Diskothek, und das sieht man: Über den Rennautomaten hängt weiter die Discokugel, die Neonringe an der Decke sind geblieben. Der Effekt ist bemerkenswert, weil beides zusammenpasst, ohne dass es geplant wirkt.
Für eine Gruppe Entwickler ist so ein Ort naheliegender, als er zunächst scheint. Die Geräte sind Hardware, die vier Jahrzehnte überlebt hat, weil sich jemand um sie kümmert. Wer beruflich damit zu tun hat, Systeme lauffähig zu halten, deren Grundlage sich alle paar Jahre verschiebt, sieht in einem funktionierenden Automaten von 1981 etwas anderes als Nostalgie.
Sehenswert ist dabei, was damals mit welchen Mitteln gelöst wurde. Moon Patrol von 1982 etwa lässt drei Hintergrundebenen unterschiedlich schnell laufen und erzeugt damit räumliche Tiefe auf Hardware, die von Tiefe nichts weiß. Parallax-Scrolling gilt heute als Standardwerkzeug, hier steht es in einem Gehäuse, das älter ist als die meisten Anwesenden.
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Fazit
Von den beiden Arbeitstagen gibt es kaum Bilder, vom Abend dagegen reichlich. Das ist kein Zufall: Tagsüber wird an Bildschirmen gesessen und geredet, und beides fotografiert niemand.
Was bleibt, sind zwei Dinge. Fachlich der Blick auf das, was in Shopware 6.5 kommt, lange bevor es im Changelog steht. Und die Erfahrung, dass ein Hersteller, der zweimal im Jahr die Tür aufmacht und die Community mitarbeiten lässt, ein anderes Verhältnis zu seinen Dienstleistern aufbaut als einer, der nur Releases verschickt.
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Über den Autor
Ralf Siepker
Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.
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