GARAN-Label: Shopware 6.7.14 kann es
Zwei neue Kennzeichnungen ab dem 27. September 2026
Die EU-Richtlinie 2024/825, meist EmpCo-Richtlinie genannt, bringt für den Verkauf von Waren an Verbraucher zwei neue Pflichtangaben. Beide gelten ab dem 27. September 2026, eine Übergangsfrist gibt es nicht.
Die erste ist der harmonisierte Gewährleistungshinweis. Er informiert in einer EU-weit einheitlichen Grafik darüber, dass Verbraucher beim Kauf mindestens zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung haben. Der Hinweis betrifft jeden Shop, der körperliche Waren an Verbraucher verkauft, unabhängig vom Sortiment.
Die zweite ist das GARAN-Label, die harmonisierte Kennzeichnung einer Haltbarkeitsgarantie. Es kommt nur ins Spiel, wenn der Hersteller für die gesamte Ware eine kostenlose Garantie von mehr als zwei Jahren gibt und der Händler davon Kenntnis hat. Das Label trägt den Markennamen, die Modellkennung und die Garantiedauer in Jahren. Für Sortimente ohne solche Herstellergarantien bleibt es schlicht leer.
Aussehen, Wortlaut und Farben beider Grafiken legt die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960 verbindlich fest. In Deutschland stehen die Pflichten seit dem Umsetzungsgesetz vom Februar 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 28) in § 312d BGB. Ein Bußgeldkatalog gehört nicht dazu; durchgesetzt wird die Pflicht wie üblich über das Wettbewerbsrecht, also per Abmahnung. Ob ein einzelnes Produkt für das GARAN-Label qualifiziert, ist eine rechtliche Frage, die dieser Beitrag nicht beantwortet. Er zeigt die technische Seite.
Was Shopware 6.7.14 nativ mitbringt
Mit dem September-Release 6.7.14 sind beide Kennzeichnungen Teil des Cores, in allen Plänen einschließlich der Community Edition. Ein Plugin ist damit für aktuelle Installationen nicht mehr nötig. Shopware beschreibt den Funktionsumfang in einem eigenen Beitrag, die technischen Details stehen in den Release Notes.
Der Gewährleistungshinweis wird zentral eingeschaltet, unter Einstellungen, Warenkorb-Einstellungen, Checkout, und lässt sich je Verkaufskanal überschreiben. Die Grafik liegt als Original-Artwork in allen 24 EU-Amtssprachen vor; Shopware wählt die Fassung passend zur Storefront-Sprache, Englisch dient als Rückfallebene. Im Checkout erscheint der Hinweis als eigener Link neben der Zustimmung zu den AGB, außerdem auf der Bestellbestätigungsseite und in der Bestätigungs-Mail.
Das GARAN-Label wird je Produkt gepflegt. Die Produktseite in der Administration hat dafür eine neue Karte mit zwei Feldern: der Garantiedauer in Monaten und einem Schalter für die Anzeige im Storefront. Die Dauer akzeptiert nur Halbjahreswerte oberhalb von 24 Monaten, also 30, 36, 42 und so weiter. Angezeigt wird das Label erst, wenn vier Bedingungen zusammenkommen: Schalter an, gültige Dauer, ein zugewiesener Hersteller und eine gepflegte Herstellerproduktnummer. Hersteller und Herstellerproduktnummer landen als Marke und Modellkennung auf dem Label. Beide Felder vererben sich an Varianten, so dass die Garantie einmal am Hauptprodukt gepflegt und bei Bedarf je Variante überschrieben wird.
Sichtbar ist das Label unter der Kaufbox auf der Produktseite, an der Position im Warenkorb, auf der Bestellbestätigungsseite und in der Bestätigungs-Mail direkt neben dem Artikel. Für eigene Integrationen gibt es zwei neue Store-API-Routen: GET /store-api/product/{productId}/garan-label liefert das Label als SVG, GET /store-api/legal-guarantee-notice den Gewährleistungshinweis. In Twig-Templates stehen unter anderem die Filter sw_garan_label und sw_legal_guarantee_notice bereit.
Für die 6.6-Reihe liefert Shopware die Funktion per Backport nach; 6.6.10.26 vom 23. September 2026 enthält bereits die ersten Korrekturen daran, etwa die Vererbung des Anzeige-Schalters an Varianten. Wer noch auf 6.5 oder älter arbeitet, bekommt die Funktion nicht nachgeliefert und braucht entweder das Update oder eine Erweiterung aus dem Store.
Drei Stellen, an denen es trotzdem hakt
Die native Lösung ist gut gemacht, aber sie setzt einen Shop voraus, der nahe am Standard läuft. In der Praxis sind es meist drei Punkte, an denen nach dem Update noch etwas fehlt.
Das angepasste Mail-Template. Shopware ergänzt die Bestätigungs-Mail um beide Kennzeichnungen, allerdings nur, wenn das Template order_confirmation_mail noch dem unveränderten Systemstandard entspricht. Das steht so ausdrücklich in den Release Notes. Fast jeder gewachsene Shop hat diese Mail irgendwann angefasst, sei es für ein Logo, einen Hinweis zur Lieferzeit oder eine andere Anrede. Dann greift das Update nicht, und der Hinweis fehlt in der Mail, ohne dass es im Storefront auffällt. Die Blöcke müssen in diesem Fall von Hand nachgezogen werden. Eine Testbestellung mit Blick ins Postfach ist deshalb Pflicht, nicht Kür.
Das eigene Theme. Die Anzeige unter der Kaufbox und im Warenkorb hängt an Twig-Blöcken der Standard-Storefront. Ein Theme, das die Produktseite oder das Warenkorb-Template überschreibt, zeigt die neuen Elemente nur, wenn die überschriebenen Blöcke den Eltern-Inhalt weiterhin einbinden. Wo ein Block komplett ersetzt wurde, bleibt die Stelle leer. Auch hier hilft nur der Blick auf die echte Seite, am besten auf einer Staging-Kopie mit dem aktiven Theme.
Die Produktdaten. Das GARAN-Label zeigt die Herstellerproduktnummer als Modellkennung an. Gemeint ist die Bezeichnung, unter der der Hersteller das Modell führt, nicht die interne Artikelnummer des Shops. Bei Varianten führt das zu einer Feinheit: Alle Größen oder Farben eines Modells tragen dieselbe Modellkennung, während die Artikelnummer je Variante abweicht. Ist das Feld leer oder mit der Artikelnummer befüllt, ist das Label formal falsch oder erscheint gar nicht. Bevor der Schalter umgelegt wird, gehört das Sortiment durchgesehen: Für welche Produkte gibt es eine schriftlich bestätigte Herstellergarantie über zwei Jahre, und sind Hersteller und Modellkennung dort sauber gepflegt.
Ein Punkt bleibt zusätzlich offen, und er liegt nicht bei Shopware: Ob der Gewährleistungshinweis im Checkout als Link genügt oder als vollständige Grafik sichtbar sein muss, ist unter Juristen umstritten. Die IT-Recht Kanzlei hält die verschachtelte Darstellung beim GARAN-Label für zulässig, beim Gewährleistungshinweis für unklar. Wer auf Nummer sicher gehen will, klärt das mit dem eigenen Rechtsbeistand und passt die Darstellung notfalls im Template an.
Was jetzt zu tun ist
Für einen Shop auf 6.7 ist der Weg kurz: auf 6.7.14 aktualisieren, den Gewährleistungshinweis einschalten, eine Testbestellung bis zur Mail durchspielen und dabei Storefront und Postfach mit dem aktiven Theme prüfen. Das GARAN-Label kommt nur dort dazu, wo eine Herstellergarantie über zwei Jahre belegt ist, und erst nach der Pflege von Hersteller und Modellkennung.
Wer auf einer älteren Version steht, hat mit dem Stichtag einen guten Anlass, das ohnehin fällige Update anzugehen. Und wer den Abgleich von Mail-Template, Theme und Produktdaten nicht selbst übernehmen möchte, findet über die Shopware-Wartung Unterstützung, vom Update über den Template-Abgleich bis zur Testbestellung.
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Über den Autor
Ralf Siepker
Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.
Aktuelle Verfügbarkeit · Eingeschränkt
Freie Kapazität ab 01.10.2026
Kapazität ist knapp. Kleinere Aufgaben gehen meist trotzdem.
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