Shopware 6.7: das große Major-Release

Shopware 6.7: das große Major-Release

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Ein Major-Release ist ein Fundament, kein Feature-Feuerwerk

Shopware hat am 17. Juni 2025 die Version 6.7.0 veröffentlicht, den ersten großen Versionssprung seit 6.6. Ein Major-Release funktioniert anders als die monatlichen Updates, die danach folgen: Es bringt selten viele neue Funktionen, sondern räumt auf, modernisiert die technische Basis und schafft das Fundament, auf dem die kommenden Features aufsetzen. Shopware selbst formuliert es so, dass Major-Releases keine Feature-Releases sind, sondern die technische Grundlage für das, was in den Minor-Releases des Jahres nachkommt.

Zum Nachlesen: die Release-Notes auf GitHub und die Ankündigung von Shopware.

Barrierefreiheit wird zur Pflicht

Das für Händler wichtigste Thema von 6.7 ist die Barrierefreiheit. Zum 28. Juni 2025 greift das Europäische Barrierefreiheitsgesetz, kurz EAA, das viele Onlineshops verpflichtet, bestimmte Zugänglichkeitsstandards einzuhalten. 6.7 liefert dafür die Grundlage: optimierte Templates, angepasste Schriftgrößen und der konsequente Einsatz von semantischem HTML, also von Auszeichnungen, die Screenreadern und assistiven Technologien die Struktur einer Seite verständlich machen. Das nimmt Betreibern nicht die eigene Verantwortung ab, aber es stellt die Storefront auf eine Basis, mit der sich die Anforderungen überhaupt erfüllen lassen.

Ein überarbeitetes Cache-System

Der zweite große Block betrifft Performance und Stabilität. Das Cache-System wurde überarbeitet: Die Invalidierung, also das gezielte Verwerfen veralteter zwischengespeicherter Inhalte, läuft jetzt verzögert, der Speicherbedarf sinkt und die Trefferrate steigt. Technisch entfällt das Caching der Store-API-Routen, dafür kommt ESI ins Spiel, die Edge Side Includes, ein Verfahren, mit dem sich einzelne Seitenbausteine unabhängig voneinander zwischenspeichern und aktualisieren lassen. Für Shops mit viel Verkehr bedeutet das genauere Kontrolle darüber, was wie lange im Cache bleibt, und in der Summe mehr Sicherheit und Stabilität.

Unter der Haube: die technische Modernisierung

Der größte Teil von 6.7 spielt sich für Entwickler ab. Die Administration, also die Verwaltungsoberfläche von Shopware, ist jetzt vollständig auf Vue 3 umgestellt; die Kompatibilitätsschicht zur alten Vue-2-Welt ist entfernt, und das State-Management, also die Verwaltung des Anwendungszustands im Admin, wechselt von Vuex zu Pinia. Für den Build der Administration ersetzt Vite den bisherigen Webpack-Prozess, was Geschwindigkeit und Entwicklungskomfort verbessert. Wichtig zur Einordnung: Diese Umstellung betrifft die Administration; die Storefront baut weiterhin mit Webpack.

Dazu kommt der Wechsel auf die Meteor Component Library, Shopwares eigenes Baukastensystem für Oberflächen, auf das Storefront- und Admin-Templates migriert wurden. Etliche alte Komponenten sind damit veraltet oder entfallen. Im PHP-Kern haben die Klassen native Typdeklarationen bekommen, also verbindliche Typangaben direkt an den Eigenschaften, was Fehler früher sichtbar macht. Mehrere Kernbibliotheken wurden angehoben: DBAL 4, PHPUnit 11, Dompdf 3 und der OAuth2-Server 9. Der OAuth-Token-Fluss, über den sich Anwendungen an der API anmelden, entspricht jetzt der Spezifikation; der alte Endpunkt für die Autorisierung ist entfernt.

Schließlich schließt 6.7 die Aufräumarbeiten ab, die über den 6.6-Lebenszyklus angekündigt waren: Die dort als veraltet markierten Bestandteile sind nun entfernt. Das hält den Kern schlank, verlangt aber von Erweiterungen, dass sie mit der Zeit gehen.

Der Weg von 6.6 auf 6.7

Der Umstieg läuft nicht in einem Rutsch, sondern in Stufen. Sinnvoll ist zuerst der Sprung auf die jeweils letzte 6.6-Version, denn erst von dort aus prüft Shopware sauber auf 6.7. Danach wird auf einer Kopie des Shops aktualisiert, nie direkt auf dem Live-System. Die Reihenfolge im Test hat sich bewährt: erst Shopware selbst auf 6.7 heben, dann Theme und eigene Erweiterungen einzeln nachziehen und jeweils prüfen, ob sie mit Vue 3 und dem neuen Build noch laufen. Erst wenn die Kopie fehlerfrei durchläuft, geht der Stand live.

Wer die Storefront stark angepasst hat, sollte für das erste Rendern nach dem Update Zeit einplanen: Die Umstellung auf die Meteor Component Library und der aufgeräumte Kern machen sich vor allem dort bemerkbar, wo Templates tief in Shopware eingegriffen haben.

Was das für Betreiber und Erweiterungen heißt

Ein Major-Release ist der Punkt, an dem man nicht einfach durchklickt. Die tiefgreifenden Änderungen an Vue, am Build und am Cache bedeuten, dass Plugins und Themes vor dem Update geprüft gehören. Shopware nennt das ausdrücklich: Plugin- und App-Entwickler sollten die Kompatibilität testen, besonders mit den Vue-3- und Vite-Änderungen, und private Apps und Themes brauchen wegen der internen API- und Caching-Anpassungen einen genaueren Blick. Auch die Infrastruktur ist betroffen: Redis-Konfiguration und Varnish setzen auf aktualisierte Module, die im Upgrade-Leitfaden beschrieben sind.

Für Shops, die noch auf 6.6 laufen, ist 6.7 damit kein Update für einen Freitagnachmittag, sondern ein Projekt: erst auf einer Kopie testen, Erweiterungen einzeln durchgehen, dann live. Genau das ist der Unterschied zu den monatlichen Minor-Releases, die danach kommen und sich meist ohne großen Aufwand einspielen lassen. Wer den Umstieg von 6.6 auf 6.7 plant oder sich dabei begleiten lassen möchte, findet über die Wartung Unterstützung, und wer den Shop dauerhaft aktuell halten will, ohne sich selbst um jede Version zu kümmern, für den sind die Wartungspakete auf der Shopware-Seite gedacht.

Der Lohn der Mühe ist eine Plattform, die technisch wieder auf der Höhe ist: moderne Frontend-Technologien im Admin, ein aufgeräumter Kern und eine Barrierefreiheits-Basis, die man ab Sommer 2025 ohnehin braucht. Die sichtbaren neuen Funktionen kommen dann Monat für Monat in den Minor-Releases obendrauf.

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Shopware Release Update Shopware 6.7
Ralf Siepker

Über den Autor

Ralf Siepker

Senior Software-Entwickler & Solution Architect mit Erfahrung aus 150+ Projekten, Schwerpunkt Shopware 6 und Laravel. Schreibt hier über das, was in echten Projekten funktioniert.

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